Monatsspruch August 2019:

«Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm»  

(Joh 4,16)

 

 

Walkringen

Monatstext für August 2019 von Inge Müller


Mein messerscharfes Nein

Ich setze auf unseren freien Willen. Traue ich uns damit zu viel zu? Ich glaube nicht an Worte wie Vorsehung, Bestimmung, Schicksal, Prüfung, Züchtigung und Auferlegung. Ich widerspreche, wenn man mir bedeutungsvoll ins Ohr flüstert: «Es gibt keine Zufälle!» Ich begehre auf, wenn man Krankheit und Alter als göttliche Strafen auffasst und nicht einfach als den Lauf des Lebens. Ich frage nicht:
«Warum?», sondern: «Wozu?» «Was fange ich damit jetzt an?»


Ich glaube sogar, dass wir, eben weil wir frei sind, Gott überraschen können – und dass er genau dies so wollte. Ein Gegenüber, sein Ebenbild. Er trägt uns, wenn wir müde sind, fängt uns, wenn wir fallen, liebt uns, auch wenn wir ihn vergessen, wie ein Vater und eine Mutter. Weiss alles, was wir tun – aber auch, was wir tun werden?


Ich glaube: Die Zukunft liegt bei uns, und damit auch die freie Entscheidung. Wer daran festhält, dass alles vorbestimmt ist, nimmt sich genau diese Last, aber damit auch die grosse Chance, die in der Freiheit liegt. Die Freiheit, meinem Leben heute oder morgen ein Ende zu setzen, sei es per plötzlichem Brückensprung, Schweizer Giftcocktail oder auch ganz allmählich per Glimmstängel oder Übersättigung. Die Freiheit, zu wählen, zu entscheiden, das Gute zu tun, das Böse zuzulassen, zu schweigen oder zu reden, zu gehen oder zu bleiben, Ja zu sagen oder eben Nein.


Ganz besonders Nein. Sogar dann, wenn ich dadurch mit einem einzigen Schwerthieb Familienbande zertrenne und das Drehbuch durchkreuze, das seit Generationen sorgfältig und unausweichlich weitergeschrieben wird:
So war es schon immer bei uns. Aus dir wird nie etwas. Uns hat auch keiner gelobt und geliebt. Verzeihen kann ich, aber nicht vergessen. Dein Traumberuf ist eine brotlose Kunst, lass es einfach.


Ich glaube, dass wir zur Freiheit der Kinder Gottes berufen sind. Auch wenn das klingen mag, als würden wir uns zu viel zutrauen. Wenn es doch Gott selbst ist, der an uns glaubt?

Inge Müller

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