Monatsspruch Januar 2020:

«Ich glaube; hilf meinem Unglauben!»  

(Markus 9,24)

 

 

Walkringen

Monatstext für Januar 2020 von Pfarrer Peter Raich

W A L K R I N G E N - F E I E R T

Im letzten Sommer besuchten uns Rosmarie Tritschler und ihr Mann Ben Hergl. Beide sind als Autoren, Regisseure und Schauspieler in Deutschland bekannt. Sie waren äusserst angetan von Dorf und Landschaft und fühlten sich sehr wohl auf dem Kirchenhügel in Walkringen. Wir erzählten, dass wir in diesem Jahr das 800jährige Jubiläum unseres Dorfes feiern werden, und berichteten aus seiner vielfältigen Geschichte. Ben war sofort hellwach und sog aufmerksam jedes Detail auf. Vor seinen Augen entwickelten sich Szenen für ein Theaterstück, in dem die verschiedenen Epochen des Dorfes noch einmal lebendig wurden.

Womit das Stück beginnen soll, war nicht ganz einfach zu bestimmen. Mit einer Beerdigung (ca. 1000 Jahre v. Chr.) auf dem Moos, bei der drei bronzene Kleidernadeln mit ins Grab gelegt wurden? Oder mit den Römern, die wohl im 2. Jahrhundert das Marmorköpfchen des Ganymed (Liebling des griechischen Gottes Zeus) hierher gebracht haben? Mir hätte die Szene am besten gefallen, in der der Alemanne «Waltger», einer unserer gemeinsamen Urururvorfahren, mit seinem Clan wohl Ende des 7. Jahrhunderts hier eine feste Siedlung gegründet hat. Aus dieser Zeit stammt auch schon ein erstes Kirchengebäude auf dem kleinen Hügel. In den folgenden Jahrhunderten haben immer wieder Leute von aussen versucht, Walkringen ihren Willen aufzudrücken und wirtschaftlich auszubeuten. Da waren die Ostfranken, dann die Burgunder, die auf ihren Holzburgen sassen, und die Walkringer beherrschten. Immerhin halfen die wohl mit, eine erste romanische Kirche aus massiven Steinmauern zu errichten. Nach den Burgundern kamen die Zähringer aus dem Schwarzwald, dann die Kyburger und schliesslich die Berner. Die Walkringer haben die vielen Wechsel der politischen Mächte in ihrem Tal wohl in stoischer Gelassenheit abgehakt. Der tägliche Kampf ums (Über-)Leben war dabei jeweils wichtiger.
Es gab fette und es gab magere Jahre. Es gab ganz ruhige, aber auch stürmische Zeiten. Wir müssten irgendwie veranschaulichen, dass der christliche Glaube in den ersten 1000 Jahren katholisch geprägt war und langsam, jedoch nicht undramatisch, unter Pfarrer Gabriel Löwensprung ab 1528 reformiert wurde. An dieser Stelle würde dann auch der Bärenwirt Hans Grüssi auftreten, der in der Folge der Reformation 1653 zum Aufstand gegen die Feudalherren in Bern aufrief und selbst mitmarschierte. Auch würden Szenen sichtbar in abgelegenen Höfen, in denen sich Täufer schutzsuchend niedergelassen haben, und sicher auch die missglückte Verhaftung von Jakob Ammann, dem späteren Gründer der «Amischen».

Wir waren fast ausser Atem vor Ideen, Daten und Ereignissen, die in der Geschichte von Walkringen in Szene gesetzt werden könnten, als ich Ben fragte, was solch eine Inszenierung wohl kosten würde. Mit der Zahl, die Ben nannte, war das Projekt so schnell gestorben, wie wir es ersonnen hatten. Dennoch hatten wir eine Ahnung erhalten, wie vielfältig, spannend, interessant und bereichernd die Geschichte unseres Dorfes ist.

Und plötzlich wurde uns bewusst, dass auch wir heute durch unser Engagement das kulturelle, politische, kirchliche, wirtschaftliche Leben dieser Gemeinde prägen. Was wohl in der nächsten «Geschichte der Gemeinde Walkringen» darüber zu lesen ist?

Ich freue mich, mit Euch in diesem Jubiläumsjahr auf Entdeckungsreise in die Vergangenheit und auf einen Visionsprozess für eine gute Zukunft gehen zu dürfen.
Euer Pfarrer Peter Raich

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