Monatsspruch Oktober 2018:

«Gott, all mein Sehnen liegt offen vor dir, mein Seufzen war dir nicht verborgen»  

(Ps 38,10)

 

 


 

Walkringen

Monatstext für Oktober 2018 von Pfarrer Peter Raich

Eine weltoffene Schweiz

Stan Wawrinka, Yasmin Giger und Breel Embolo. Drei Namen, die wir alle kennen. Drei Menschen, die sich in der Schweizer und in der internationalen Sportwelt viele Sympathien erworben und grosse Erfolge erzielt haben. Drei Schweizer Staatsbürger, die eine weltoffene Schweiz repräsentieren und uns darauf hinweisen können, wie bereichernd die Unterschiedlichkeit von Menschen sein kann. Die uns jedoch auch wachrütteln sollen, wo sich Rassenwahn und Fremdenhass ausbreiten wollen.

Die Herkunft spielt keine Rolle
Der Spitzensportler Stan Wawrinka hat deutsche Wurzeln. Sein Grossvater ist als Bio-Bauer in die Schweiz eingewandert. Mit seinen Schwestern Djanaée und Naélla und seinen Eltern wuchs der Tennisstar auf einem Bauernhof in
Saint-Barthélemy im Kanton Waadt auf. Yasmin Giger, eine junge (bald 19), herzige, schon heute äusserst erfolgreiche Leichtathletin lebt in Romanshorn und spricht einen breiten Thurgauer Dialekt. Ihre Mama ist aus der Dominikanischen Republik eingewandert und deshalb ist Yasmin von Kopf bis Fuss schwarz.
Obwohl der Weltklassefussballer und Natispieler Breel Embolo inzwischen sein Haar strohblond (gefärbt) auf dem Kopf trägt, sind die afrikanischen Wurzeln nicht übersehbar. Er wurde 1997 in Yaoundé, Kamerun, geboren. Seine Mutter liess sich mit ihren beiden Söhnen in Basel nieder, da es für die
Familie in Kamerun keine Perspektive gab. Im Dezember 2014, zwei Monate vor seinem 18. Geburtstag, wurde Embolo eingebürgert und erhielt den Schweizer Pass. Seit Ende Juni 2018 ist er gemeinsam mit seiner Partnerin Naomi Vater einer Tochter.


Wir brauchen einander
Die Vorfahren dieser drei Menschen werden im heutigen Sprachgebrauch als «Wirtschaftsflüchtlinge» bezeichnet. Diese drei (von unzählig vielen!) Beispiele zeigen jedoch, wie bereichernd für unsere Gesellschaft das Zusammenleben von Menschen unterschiedlichster Herkunft ist. Und das gilt nicht nur für den
Sport, die Kunst, die Medizin, die Wissenschaft. Das gilt für jeden Bereich des Arbeits- und Privatlebens. Wenn morgen alle ausländischen Mitarbeitenden in den Altersheimen, Spitälern und Betrieben in ihre Herkunftsländer zurückkehren würden, hätte das den Kollaps unseres ganzen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Systems zur Folge.

Mahl der Völker
Am 21. Oktober feiern wir Erntedank und das «Mahl der Völker». Am Jubiläumsanlass des 500jährigen Bestehens unserer Kirche in Walkringen im Jahr 2015 haben wir diesen Anlass zum ersten Mal durchgeführt. Luciene Jutzi war begeistert von dieser Idee und hat sie in ihrem Herzen bewahrt. Sie hat sich dafür eingesetzt, dass das bunte Festmahl wiederholt wird, bei dem viele unterschiedliche
internationale Gerichte offeriert und gemeinsam gegessen werden. Dabei sein werden nicht nur europäische, sondern auch asiatische und südamerikanische Speisen.
Das Mahl der Völker wird uns daran erinnern, dass wir auch in Walkringen eine vielstimmige Gemeinschaft sind. In unserer kleinen Gemeinde leben tatsächlich rund 80 Menschen aus über 20 Nationen. Es soll ein Fest der Begegnung, der Wertschätzung und der Freundschaft werden. Und es wird uns Christinnen und Christen daran erinnern, dass wir alle den gleichen Wert vor Gott haben. Yasmin Giger, Breel Embolo, Stan Wawrinka und die vielen anderen
Menschen aus der ganzen Welt sind nicht durch ihre Leistung unsere Schwestern und Brüder, sondern weil wir alle Kinder Gottes sind.

Entgegen der Vorankündigung findet der Erntedankgottesdienst in der Kirche (nicht auf dem Bauernhof der Familie Ritter) und das anschliessende Mahl der Völker im Sternensaal statt.
Wir freuen uns auf diesen besonderen Tag und laden alle WalkringerInnen dazu ein.


Peter Raich, Pfarrer

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Pfarrer Peter Raich
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