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Monatstext Juni 2024 von Pfarrerin Silke Mattner

Auf der Suche?

Haben Sie schon einmal etwas sehr intensiv gesucht? Gerade noch habe ich es noch gehabt, gerade noch irgendwo liegen sehen – aber wo nur? Bleibt man zuerst noch ruhig und
gelassen, wird man mit zunehmender Dauer unruhiger und gerät vielleicht sogar fast in Panik – v.a. dann, wenn es sich um etwas Wichtiges, etwas Wertvolles handelt oder einem die Zeit davonläuft … Doch es hilft nichts – was nicht automatisch da ist, das müssen wir suchen. Ich glaube, dass diese Tatsache auch im übertragenen Sinne gilt – nämlich dann, wenn es nicht um verlorene Gegenstände geht. Es ist manchmal auch bei Haltungen, bei Einstellungen dran, sich neu auf die Suche zu machen. So ist es auch vor über 300 Jahren dem Pfarrer Paul Gerhardt gegangen – er hat sich selber einen Suchauftrag gegeben. Zuvor hatte der Dreissigjährige Krieg getobt, durch Feuer oder Pest waren Menschen
einfach hinweggerafft worden. In dieser grauenhaften Zeit ist Paul Gerhardt oft an seine Grenzen gekommen. Doch obwohl die Not der Nachkriegszeit noch überall sicht- und spürbar war, blühte langsam wieder Hoffnung auf! Und hier sind wir beim «Suchauftrag» angekommen: Paul Gerhardt wollte sich aufmachen und etwas suchen – Freude suchen:
Freude an der Schöpfung, Freude an Gärten, die Menschen anlegen und pflegen.
Und wie macht er das? Indem er sein Inneres auf den Weg schickt, mit einer konkreten Aufgabe. So sagt er zu seinem Herzen: «Geh aus, mein Herz, und suche Freud, in dieser lieben Sommerszeit, an deines Gottes Gaben; schau an der schönen Gärten Zier und siehe, wie sie mir und dir sich ausgeschmücket haben.» Dieses Lied passt gerade wunderbar in
diese Jahreszeit, auch wenn Tulpen und Narzissen schon von anderen wunderbaren Blumen abgelöst wurden. «Die Bäume stehen voller Laub, das Erdreich decket seinen Staub mit einem grünen Kleide. Narzissus und die Tulipan, die ziehen sich viel schöner an als Salomonis Seide.» Es tut in den weltweit so schwierigen Zeiten besonders gut, die Schönheit der Natur zu betrachten – auch oder gerade, denn das, was wir da sehen, nicht zu den anderen, grausamen Kriegsbildern passen will … Die Spannung zwischen der Schönheit der Schöpfung und den harten Seiten des Lebens bewirkt in uns Hunger und Durst nach Freude. Dürfen wir uns denn einfach so freuen? Ja, wir sollen es sogar!
«Die Seele ernährt sich von dem, woran sie sich freut», so hat es bereits der Kirchenvater Augustinus gesagt. Paul Gerhardt lässt sich selbst als Person in die Freude über die Natur völlig mit hineinziehen – so schreibt er in der achten Strophe: «Ich selber kann und mag nicht ruhn’: Des grossen Gottes grosses Tun erweckt mir alle Sinnen; ich singe mit, wenn alles singt, und lasse, was dem Höchsten klingt, aus meinem Herzen rinnen, aus meinem Herzen rinnen.» Worüber genau dürfen wir uns also freuen? An Gott selbst und seinem Handeln!
An der Schöpfung, aber auch darüber, dass Gott den Plan gefasst und umgesetzt hat, seinen Sohn Jesus zu uns zu senden. Wir dürfen uns an Jesus selbst und seiner Botschaft und an der Gemeinschaft mit anderen Menschen freuen. Geben wir doch diesen Suchauftrag auch an unser Herz!

Pfarrerin Silke Mattner

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