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Monatstext Juni 2022, Pfarrerin Petra Walker

(Satte) Freude hier und da

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Freude ist ein wichtiger Lebensfaktor und Grundlage unserer Existenz. Wer freudlos lebt oder wem die Freude längerfristig abhandenkommt, nimmt Schaden und kann sogar krank werden. Auch Tiere können sich freuen. Und Kinder empfinden von Geburt an Freude. Die Fähigkeit dazu ist angeboren und wichtig für das ganze Leben. Sie muss aber ausgelöst werden und ist nicht einfach da.
Vor einiger Zeit habe ich bei einem neugeborenen Kind beobachtet: Obwohl es in den ersten Lebenswochen noch kaum zu Kommunikation fähig war, huschte, wenn es sich satt getrunken hatte, unbewusst ein zufriedenes Lächeln über das kleine Gesicht. Es muss sich also wohl gefühlt haben.
Freude ist Ausdruck des Wohlbefindens, bezieht sich auf Personen oder bestimmte gegenwärtige, auch zurückliegende oder erst erwartete Lebensumstände.
Wann empfinden Sie Freude und wer oder was kann in Ihnen Freude auslösen? Ich freue mich über die kleinen grossen Dinge im Leben: Ich freue mich über die Vielfalt der Natur und über den Wechsel der Jahreszeiten. Ich freue mich, wenn ich Zeit habe, ein gutes Buch zu lesen und ich freue mich, wenn ich mit Menschen, die mir lieb und teuer sind, eine beseelte Zeit verbringen darf.
Auch in der Bibel spielt Freude eine wichtige Rolle. In Psalmen wird besungen, dass Gott Freude und Wonne für Beter ist. Ihm dienen sie mit Freude. Dennoch fällt die Fähigkeit zur Freude nicht immer leicht. Eine bekannte biblische Figur, die die Freude am Leben komplett verlor, war Hiob. Und die aktuellen täglichen Nachrichten und die verstörenden Bilder erschüttern uns immer wieder aufs Neue. Es besteht die Gefahr, dass sie uns in ihren Bann ziehen und uns die Fähigkeit zur Freude nehmen könn(t)en. Es gilt also, sich für die eigenen Freuden soweit es denn eben möglich ist, einzusetzen und sie zu bewahren.
Ich habe manchmal den Eindruck, als ob all die Freuden, die Menschen empfinden können, zerbrechlich und nur vorläufig sind. Glaubt man die Freude in den Händen halten zu können, fliegt sie auch schon wieder davon. Genau mit dieser Zerbrechlichkeit und Begrenztheit sieht uns Gott. Und diese Gewissheit kann durchs Leben tragen, was immer es bringt. Sei es in der Trauer, bei Erfolglosigkeit und Ablehnung und eben auch in Momenten der Freude. Auch im Blick auf Krankheit und Tod können wir an der Zusage Gottes zu uns Menschen festhalten: Unsere Namen sind auf Gottes Liste verzeichnet. Das gibt Grund zu letzter, ja zu unendlicher Freude.

Petra Walker, Pfarrerin

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